Sendung im WDR über 3-D Sign vom 16. Oktober 2003

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3-D-Linsenrasterfotografie
Von Wolfgang Back

Wir stehen vor einem großen Einschnitt in der Geschichte der Fotografie: Der Sprung von der analogen zur digitalen Aufnahmetechnik wird gerade vorgenommen.
In ihrer nahezu 150 Jahre alten Geschichte brachte uns die Fotografie immer wieder neue Höhepunkte.
So begann man schon frühzeitig, das zweidimensionale Bild durch räumliche Aufnahmen zu ersetzen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden erste Versuche mit räumlichen Aufnahmen bekannt.
Die so genannte Stereofotografie blieb allerdings immer im Experimentierstadium stecken. Das Ansehen der räumlichen Bilder war meistens zu kompliziert. Entweder man benötigte spezielle Apparaturen oder spezielle Brillen, um den Effekt zu verdeutlichen.

Heute kann man mit Hilfe professioneller Technik noch viel weiter gehen. Aus der Stereofotografie mit nur zwei verschiedenen Aufnahmen können jetzt eine Vielzahl (in unserem Fall 20 Bilder) von verschiedenen Perspektiven realisiert werden. Hintergrund: Da die Bilder durch so genannte Linsenraster als optische Verstärker zusammenarbeiten, können großvolumige Bilder mit besonderer 3-D-Wirkung geschaffen werden, die man mit den normalen Augen ohne Hilfsmittel anschauen kann.

Die Aufnahmetechnik
Natürlich kann man mit normalen Fotoapparaten kein optimales 3-D-Ergebnis erzielen. Hierfür ist nicht nur eine spezielle Aufnahmetechnik, sondern auch eine spezielle Kameratechnik erforderlich. Damit lassen sich verschiedene Perspektiven eines Bildes mit einer einzigen Aufnahme erreichen. Nur mit einer entsprechenden Kamera ausgestattet, ist es auch möglich, bewegte Objekte dreidimensional zu fotografieren.

Die Spezialanfertigung aus unserem Film arbeitet mit fünf Objektiven für fünf verschiedene Perspektiven und benutzt 6-x-6-Rollfilme. Um auf die 20 Bilder zu kommen, muss die Kamera horizontal auf dem Stativschlitten verschoben werden. Nur durch die höchstmögliche Fotoqualität wird ein guter Effekt erzielt. Bis hierhin geschieht alles noch auf der analogen Ebene.

Der belichtete Film wird im Profilabor entwickelt und danach Bild für Bild elektronisch eingelesen, sprich eingescannt. Damit verlässt er die analoge Ebene und tritt in die digitale Welt ein. Bei dieser Bildgröße und bei der professionellen Abtastung im Scanner entstehen Dateien mit circa 120 Megabytes pro Bild. Bei 20 Ausgangsbildern ist das immerhin eine Datenmenge von 2,4 Gigabytes, die später im Gesamtbild zum Tragen kommt.

Noch vor wenigen Jahren waren diese Daten kaum zu beherrschen. Erst die neue Generation der Datenspeicher ermöglicht ein bequemes Arbeiten. Die einzelnen Scans der verschiedenen Perspektiven werden jetzt in einem speziellen Computerprogramm zusammengeführt. Bei diesem Vorgang spricht man vom Interlacing. Durch die Linsen auf der Folie werden die Bilder zu dreidimensionalen Bildern. Deshalb müssen unter jeder Linse 20 Teilbilder positioniert werden, von jeder Perspektive ein Bildstreifen.

Auf dem Ausgangsbild, das wir zeigten, waren insgesamt 1.000 Linsen auf 1,20 Meter Breite angebracht. Das bedeutet: 20.000 Einzelstreifen müssen positioniert werden.

Das kann ein Mensch mittels Schere kaum erreichen. Daher kommt ein oben angesprochenes Interlace-Programm zur Anwendung. Hiermit werden diese hauchfeinen Streifen elektronisch erzeugt und zu einer Gesamtaufnahme mit 2.4 Gigabytes Dateigröße zusammengeführt.

Noch einmal erklärt: Es existieren 20 Ausgangsbilder. Diese werden so fein in Streifen geschnitten, dass unter jeder Linse 20 Teile von einem oder wenigen Pixel positioniert werden. Somit können beim Betrachten einer jeden einzelnen Linse 20 verschiedene Perspektiven erkannt werden.
Liegt die Linsenfolie richtig auf dem Bild, so kann die Folie mit dem Bild über eine Selbstklebefolie verbunden (laminiert) werden. Auch dazu ist eine Spezialmaschine vonnöten.

Mit der gezeigten Technik lassen sich auch 3-D-Sportaufnahmen realisieren, wie sie in Deutschland bisher nicht möglich waren.
Mit der professionellen 3-D-Kameratechnik ist man in der Lage, jedes Objekt realplastisch zu fotografieren:

  • Menschen (Porträt, Mode, Sport etc.)
  • Architektur (Innen- und Außenarchitektur, Modelle)
  • Touristik (Landschaften, Tiere, Monumente, Sehenswürdigkeiten, Skylines, Verkehrsmittel etc.)
  • Kunst (Infrarot, Crosscolour etc.)
  • Still & Table Top (Makro)
  • Computeranimation (CAD beziehungsweise 3-D-Computerprogramme werden im tatsächlichen dreidimensionalen 20-Phasen-Format dargestellt), professionelles Linsenraster, 3-D-Printing

    Da diese Bilder einen imaginären Raum erzeugen beziehungsweise eine Tiefe simulieren, ist es sogar möglich, Displays derart zu arrangieren, dass man die Möglichkeit hat, ein Objekt in 360 Grad darzustellen.

    Das bedeutet, dass man um ein Objekt herumgehen und es von allen Seiten räumlich betrachten kann, gerade so, als befände es sich tatsächlich in der Display-Vitrine. Dieses Objekt wäre dann mit sage und schreibe 80 Einzelperspektiven abgebildet.

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